Heute mal eine Inspirierende Geschichte die Zeigt das Radsport mehr ist als nur Sport! Ein Reisebericht von Pia Dünow:
Manchmal beginnen die besten Erlebnisse mit einer Schnapsidee in der Kaffeepause.
Vor nun fast zwei Jahren hat es mich nach Salzburg verschlagen. Dem Radsport bin ich dabei natürlich treu geblieben und nutze seitdem jede Gelegenheit, Österreich auf dem Rad zu entdecken. Ob Rennrad, Gravel oder Mountainbike: Die abwechslungsreiche Landschaft bietet unzählige Möglichkeiten für neue Touren und Herausforderungen.
Eine davon entstand ganz spontan in einer Kaffeepause mit meinen Kollegen. Die Idee: Warum die Strecke von Salzburg nach Wien nicht einmal mit dem Rad zurücklegen? Da wir ein sportbegeistertes Team sind, war schnell klar, dass aus der Idee ein gemeinsames Projekt werden würde.
Ein paar Wochen später waren die Räder vorbereitet, die Route geplant und die Taschen voller Riegel. Jetzt lagen nur noch rund 370 Kilometer zwischen uns und unserem Ziel: Wien.
Die Tour in Zahlen
- Datum: 13. Juli 2026
- Distanz: 370 km
- Höhenmeter: 1.019 hm
- Startzeit: 05:49 Uhr
- Ankunft Stephansdom: 22:44 Uhr (Nach 16h 55min Gesamtzeit)
- Ankunft Wohnung: Nach 17h 23min Gesamtzeit
- Reine Fahrzeit: 13h 18min
Der Wien-Express rollt an









Um 05:49 Uhr ging es am Büro in Salzburg los. Unser Plan: Die einzigen echten Höhenmeter der Tour gleich zu Beginn hinter uns zu bringen. Es ging direkt Richtung Mondsee und Attersee.
Bis 10:00 Uhr hat es durchgängig geregnet. Durch die sommerliche Wärme und die sonnigen Aussichten für den Nachmittag blieb die Stimmung im Team trotzdem gut. Bei Kilometer 65 folgte der erste und einzige Defekt des Tages: Die Kette von Matthias riss beim Anfahren. Dank Philips schnellen Fingern und gutem Werkzeug war der Schaden aber im Handumdrehen behoben.
Ab jetzt hieß es: Immer Richtung Osten. Entlang der Traun ging es bis nach Linz, wo wir auf den Donauradweg trafen. Der Wettergott hatte ein Einsehen mit uns. Der Wind drehte auf Rückenwind, die Sonne kam raus und wir waren schnell wieder trocken. Die Kilometer flogen im Express-Tempo an uns vorbei.
Abseits von Riegeln, Gels und Gummibärchen brauchten wir irgendwann echte Nahrung. Zwei längere Pausen retteten uns den Tag. Ein warmes Tomate-Käse-Toast und eine Frittatensuppe mit extra viel Salz waren eine willkommene Abwechslung für den Salzhaushalt.
Postkartenidylle und Insektenplage
Ab Kilometer 240 erreichten wir die Wachau. Ab hier wurde es landschaftlich sensationell. In der goldenen Abendsonne durch die Weinberge zu rollen, war mein persönliches Highlight der gesamten Tour.
Mit der Dämmerung kam jedoch die Erschöpfung – und eine unerwartete Prüfung. Bei Kilometer 325 fuhren wir durch eine etwa 20 Kilometer lange, extrem dichte Wolke aus Insekten. Ab diesem Moment galt: Mund zu, nur noch Nasenatmung und Stillschweigen.
Das große Finale im Party-Chaos
Die letzten Kilometer durch Wien verlangten uns mental noch einmal alles ab. Die Stadt war gerammelt voll. Da an diesem Abend die Pride-Parade stattfand, hatte sich die City in eine riesige Partymeile verwandelt – und wir steckten mit unseren staubigen Rädern mittendrin.
Wir haben uns tapfer durch die Menschenmengen gekämpft. Um Punkt 22:44 Uhr standen wir endlich vor dem beleuchteten Stephansdom im Zentrum von Wien. Von dort aus waren es noch 6 finale Kilometer bis zu Clemens’ Wohnung.
Fazit: Einfach machen!
Nach 370 Kilometern und mehr als 13 Stunden im Sattel war es vollbracht. Was für eine Tour! Für uns alle war es mit Abstand die längste Distanz, die wir jemals an einem Tag gefahren sind.
Dieser Trip hat mir einmal mehr gezeigt: Die besten Erlebnisse beginnen oft mit einer völlig verrückten Idee. Manchmal muss man einfach den Mut haben, es zu versuchen. Denn genau aus solchen Momenten entstehen Erinnerungen, die ein Leben lang bleiben.
